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Unsere Wurzeln


Unsere Wurzeln

 
 

In der "Volksstimme", unserer damaligen Heimatzeitung, war am 12. November 1952 zu lesen, daß im Kulturhaus des FDGB, Zwickauer Straße – zuletzt Kraftwerk e.V. – ein zentrales Kulturensemble geschaffen werden soll, welches mehrere im Haus schon bestehende Volkskunstgruppen vereint.

 

Das sah der Entwurf für das „"Nationale Aufbauwerk“" – den Älteren als ""NAW"" geläufig – für den Stadtkreis Chemnitz im Teil ""Kulturelles Leben"" für das Jahr 1953 vor.
Der Musikpädagoge Herbert Kettwig, der sich auch als Mitbegründer der Musikschule Chemnitz Verdienste erworben hatte, erhielt den Auftrag, das Ensemble zu gründen. Als Grundlage, sozusagen als Stammkapital, standen vom Klubhaus die Tanzgruppe, der Chor und das Akkordeonorchester, deren Leiter zur Mitarbeit bereit waren, zur Verfügung. Herbert Kettwig übernahm den Chor und die Gesamtleitung, Werner Metz probte mit der Tanzgruppe und Willy Müller stellte ein Volksinstrumentenorchester auf, zu dem auch einige Mitglieder des Akkordeonorchesters gehörten. Diese musizierten dann mehrere Jahre in zwei Orchestern.

 

Der Aufruf in der Presse und Werbung in Kleinbetrieben und Berufsschulen, mit dem Ziel, weitere Sänger, Tänzer und Musikanten zu gewinnen, fiel auf fruchtbaren Boden. Wir waren für alle Bürger offen, die Lust zu künstlerischer Selbstbetätigung hatten und sich und anderen damit Freude bereiten wollten – ganz gleich ob Arbeiter, Angestellte, Lehrlinge, Studenten oder Hausfrauen - und unabhängig von ihrem Alter. Vielleicht ist das der Grund, weshalb dieses neue Ensemble mit seinen drei Gruppen, obgleich bereits mehrere Betriebs- bzw. Schulensemble in der Stadt existierten, schon im ersten Jahr seines Bestehens über 100 Mitglieder vereinte. Übrigens: Den „"gemischten“" Charakter haben wir über die fünf Jahrzehnte erhalten.

 

Am 30. April 1953, traten wir, das Ensemble der Werktätigen, in einer Festveranstaltung anläßlich des 1.Mai im Chemnitzer Opernhaus zum ersten Mal in die Öffentlichkeit. Mit Begeisterung und Schwung bot unser Ensemble eine Fülle an Liedern, Volksmusik und Tänzen und legte Zeugnis ab über die in der kur zen gemeinsamen Zeit geleistete musikalische Arbeit. Zum Repertoire gehörte – z.B. mit Mozarts Briefliche Anfrage und Beethovens Nun bricht aus allen Zweigen - auch das klassische Kulturerbe. Die Lebensfreude und der Optimismus, den die vorwiegend jungen Mitglieder ausstrahlten und die in dieser Zeit nicht alltäglich waren, sprangen von der Bühne auf das Publikum über und kamen als stürmischer Beifall zu uns Volkskünstlern als Dank zurück.

 

Anfang 1954 wurde unsere Heimstatt, das FDGB-Klubhaus, an die Industriegewerkschaft Bau/Holz übergeben. Aus diesem Anlaß erhielt das Haus den Namen des ehemaligen Vorsitzenden des Chemnitzer Bauarbeiterverbandes und Mitgliedes des Chemnitzer Stadtparlamentes Fritz Heckert. Die Namensverleihung, zu der unser Ensemble das Kulturprogramm gestaltete, nahm die Witwe Fritz Heckerts, Wilma Heckert, vor. Diese Begegnung wurde für uns bedeutsam, denn in ihrer Folge gab es einen langjährigen Briefwechsel mit ihr sowie persönliche Begegnungen in ihrer Wohnung in Berlin.

 

So wurde 1955 aus dem Ensemble der Werktätigen das Volkskunstensemble Fritz Heckert. 35 Jahre später, 1990 faßte unsere Mitgliederversammlung nach eingehender lebhafter Diskussion den Beschluß, den traditionsreichen Namen nicht abzulegen. Das war eine optimistische und von Zuversicht in unsere eigene Kraft getragene Entscheidung; denn zu dieser Zeit hatten wir weder einen festen Chorleiter noch einen Orchesterleiter und auch keinen Trägerbetrieb mehr, der uns finanziell unterstützte.
Seit dem 2. Oktober 1990 war nun das Fritz-Heckert-Ensemble e.V. Chemnitz im Vereinsregister der Stadt eingetragen. In den Folgejahren überzeugte das Ensemble weiter durch unterhaltenden Programme von Chor und Orchester.

 

Besonders seit 2005 vollzog unser Ensemble einen großen künstlerischen Wandel. Nachdem sich das ursprünglich zum Ensemble gehörende Orchester als selbständiger Verein ausgegründet hatte, entwickelt sich der Chor unter seinem neuen künstlerischen Leiter Wolfgang Richter zunehmend in Richtung eines Konzertchores. Erste Anerkennung für diese neue künstlerische Qualität war der Pokalgewinn beim Leistungsvergleich des Westsächsischen Chorverbandes 2008 in Zwickau.


Seit dieser Zeit tritt das Ensemble in seinen Programmen immer wieder gern mit Gastmusikern, besonders aus Musikschulen, auf. Unsere oft jungen Gesangs- und Instrumentalgäste sind inzwischen eine geschätzte abwechslungsreiche Bereicherung unserer Programme geworden.


Um die Wandlung des Ensembles seit 2005, besonders seine neue künstlerische Entwicklung auch in der Außenwirkung zu zeigen, sowie im Vertrauen auf mehr Interesse bei der Zusammenarbeit mit jüngeren Generationen, beschloss die Mitgliederversammlung in 2007 das sichtbare Signal der Änderung seines Vereinsnamens. Durch Umbenennung entstand das Ensemble Musica Chemnitz e.V.

 

Zukunft braucht Herkunft

 

Der Chor des Ensemble Musica Chemnitz bekennt sich zu den besten Traditionen seiner 1953 begonnen Ensemblegeschichte. Wir arbeiten an neuen Zielen und laden alle Interessierten ein, an unserer weiteren Ensemblegeschichte mitzuschreiben.